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»Die Mehrheit der Christen hat aus dem Evangelium eine Art homöopathisches Heilmittel gemacht, das man in kleinen Dosen bei kleinen Schwierigkeiten einnimmt; für die großen Schwierigkeiten, besonders in der Domäne des gesellschaftlichen Lebens, glauben sie nur an Macht und Effizienz. Brauchen unsere Kirchen nicht eine neue Reformation, um den Sinn der ungeteilten Herrschaft Christi wieder zu finden? (...) Wann wird die Kirche endlich aufwachen und mit ihren Liebhabern brechen, dem vergotteten Krieg und dem vergotteten Volk, und zu ihrer ersten Liebe zurückkehren?«

(Jean Lasserre, 1965)

Einführung

Nicht ob Gewalt vernünftig ist, wann sie vernünftig ist, und welche Kriterien vernünftigerweise ihren Einsatz erlauben, sondern ob (tötende) Gewalt christlich sein kann, sein darf und was dies für Konsequenzen für die Kirche, für den einzelnen Christenmenschen hat - dies ist die Frage christlicher Friedenstheologie.

Christliche Friedenstheologie denkt anders als christliche Friedensethik. In der Ethik wird die Frage nach der Legitimität tötender Gewalt philosophisch, mit Gründen der Vernunft, des Verstandes, der Ratio, beantwortet. So entstand die Lehre vom gerechten Krieg, verbreitet in den Friedensethiken aller Kirchen bis heute. Kriterien, für alle Menschen, nicht nur für Christen, vernünftige Kriterien, wann Krieg legitim sein könnte.

Die Frage, ob Krieg in Gottes Augen je legitim sein kann, ob Christen außer ihrer Vernunft nicht doch auch noch aufgrund ihres Glaubens etwas Eigenes zu sagen und zu tun haben, blieb immer lebendig, meistens allerdings bei Außenseitern - manchmal aber auch bei Päpsten:

"Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, es wird euch aufgefallen sein, wie oft Wir über den Frieden sprechen. Wir tun es nicht um einer rasch erworbenen Gewohnheit nachzugeben (...) Wir tun es, weil Wir sehen, wie ernst der Friede bedroht ist. (...) Wir tun es, weil der Friede zum Geist der christlichen Religion gehört, weil für den Christen den Frieden verkünden Jesus Christus verkünden heißt. "Er ist unser Friede" (Eph 2,14). Sein Evangelium ist, "das Evangelium des Friedens" (Eph 6,15). Durch sein Opfer am Kreuz hat er die Aussöhnung aller Menschen vollzogen, und wir, seine Jünger sind aufgerufen, "Friedensstifter" (Mt 5,9) zu sein."

(Papst Paul VI 1967)

Denn: wir haben durch die uns verliehene Gnade Gottes unsere Schwerter zu Pflugeisen und unsere Spieße zu Sicheln gemacht und werden unter unserem wahrhaftigen Weinstock, Christus, unter dem Fürsten des ewigen Friedens sitzen und uns zu dem äußerlichen Streit und Krieg nimmermehr rüsten noch begeben. Amen.

(Menno Simon 1554)